Moin zusammen!
Ich sag’s euch ganz ehrlich: Wenn ich morgens über die Lange Reihe oder durch Eilbek laufe, um das Studio aufzuschließen, sehe ich oft das gleiche Bild. Menschen, die in ihre Schals gemurmelt sind (auch wenn die Sonne schon drückt), den Blick fest aufs Smartphone getackert, die Kopfhörer tief in den Ohren. Wir sind Weltmeister darin, uns von der Welt zu isolieren, während wir gleichzeitig versuchen, irgendwie durch den Tag zu kommen.
Ich nehme mich da gar nicht aus. Es gibt Tage, da plane ich den nächsten Workshop, während ich eigentlich gerade versuche, meinen Kaffee zu genießen. Und am Ende frage ich mich: Hat der Kaffee eigentlich nach was geschmeckt?
Achtsamkeit ist kein „Extra-Termin“ Wir tun oft so, als wäre Achtsamkeit dieses heilige Ding, für das man 20 Minuten auf einem Kissen sitzen und Kerzen anzünden muss. Aber mal Butter bei die Fische: Wer hat im Hamburger Alltag die Zeit dafür? Für mich ist Achtsamkeit kein Termin im Kalender. Es ist die Entscheidung, den Autopiloten mal kurz auszuschalten.
Gerade jetzt im Mai macht uns die Stadt das verdammt leicht. Der Flieder blüht, die Luft riecht nach Alsterwasser und Freiheit, und die Leute kommen endlich wieder aus ihren Löchern gekrochen. In der Yogaphilosophie gibt es den Begriff Pratyahara – das Zurückziehen der Sinne. Oft wird das so interpretiert, dass man die Welt aussperren soll. Ich sehe das im Mai anders: Wir nutzen die Sinne als Tore. Wir nutzen sie, um wieder im eigenen Körper zu landen, statt nur im Oberstübchen zu rotieren.
Was wir diesen Monat auf der Matte machen Wenn du diesen Monat zu uns in den Mattenplatz kommst, wundere dich nicht, wenn ich dich öfter mal frage: „Und, was spürst du gerade wirklich?“
Mir ist völlig egal, ob dein Fuß im Krieger zwei Zentimeter weiter links oder rechts steht. Ich will, dass du spürst, wie die Kraft aus dem Boden in deine Beine schießt. Ich will, dass du hörst, wie dein Atem den Raum füllt, wenn wir alle gemeinsam im Flow sind.
Achtsamkeit im Mattenplatz bedeutet diesen Mai:
- Hinhören: Den eigenen Herzschlag spüren, wenn es anstrengend wird – und die Stille genießen, wenn wir im Savasana liegen.
- Fühlen: Die Struktur der Matte unter den Fingerkuppen wahrnehmen. Die kühle Luft auf der Haut nach einer schweißtreibenden Sequenz.
- Ankommen: Merken, dass du genau hier richtig bist. Ohne To-do-Liste, ohne Erwartungsdruck.
Genuss ist der Schlüssel Achtsamkeit darf Spaß machen. Sie darf sich gut anfühlen. Wenn du lernst, den Moment wieder mit allen Sinnen zu „fressen“, dann verliert der Stress da draußen automatisch an Macht. Dann bist du nicht mehr nur der Passagier in deinem Kopf, sondern wieder der Kapitän auf deinem eigenen Schiff.
Also, kommt rum. Lasst uns die Sinne feiern, den Kopf mal kurz an der Garderobe abgeben und wieder richtig lebendig werden.
Ich freue mich auf euch auf der Matte!
Euer Eric